Beatmacher aus Leidenschaft…

24 08 2009

Ein Tag hat 24 Stunden, eine Woche 7 Tage… viel zu wenig Zeit für mich, um sich dem regelmäßigem Bloggen hinzugeben. Es ist traurig. Ja, es ist sehr traurig, dass hier nun schon ewig nichts mehr passiert ist. Mir liegt diese Seite wirklich am Herzen, deshalb gelobe ich Besserung. Nun ja, vor einiger Zeit traf den Berliner Produzenten 7inch zum gemütlichen Kaffee trinken. Er bat mich seine Biografie zu schreiben. Natürlich tat ich das gern, denn Übung macht den Meister. Das Spannende dabei ist aber, Menschen und ihrer Lebensgeschichte zu lauschen und in Gedanken für kurze Zeit ihr Leben zu leben. Das hört sich verrückt an? Ist es auch :-)

Viel Spaß beim Lesen!

Beatmacher aus Leidenschaft. Ein Vierteljahrhundert und kein Stück leiser.

Ein Gespräch mit 7inch in Charlottenburg von Mareen Wordoff.

Ich treffe den Produzenten 7inch im Café Hefner in Charlottenburg, Berlin. Im kompletten LRG Outfit bestellt er einen Kaffee mit Milch und Zucker. Eigentlich mag er dieses Getränk gar nicht so gern, erklärt er. Aber in Gesellschaft ist eine Tasse Kaffee für ihn wie für manch anderen ein gutes Glas Rotwein. Wie lange er hier schon wohnt, frage ich ihn als erstes: „Eigentlich schon immer. Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich liebe dieses Viertel, den Savignyplatz und die Kantstraße. Hier hat man seine Ruhe und entgeht dem ganzen Kreuzberg- oder Mittetrubel.“

Seine derzeitige Tätigkeit als Produzent betrachtet er ganz nüchtern, wie einen ganz normalen Job: “Viele Jungs in meinem Alter stehen morgens um sechs Uhr auf dem Bau und schleppen Stahlträger. Ich stehe um Neun auf und ziehe Samples durch Effektgeräte und packe schwere Drum-Gerüste drunter. Eigentlich unterscheiden wir uns kaum.”

Wenn jemand so einige Facetten des Musikgeschäftes kennt, dann wohl 7inch. Der heute zu den talentiertesten HipHop-Produzenten Deutschlands zählende und ehemaliger Rapper, infizierte sich schon in den neunziger Jahren durch den legendären Wu-Tang Clan, Outkast und Cypress Hill mit dem Rap-Virus. „Eigentlich ist mein älterer Bruder Schuld. Ich wollte es ihm musiktechnisch damals einfach gleichtun.” Knapp 15 Jahre später, hat sich an der Leidenschaft zum urbanen Genre nichts geändert.

Durch Veröffentlichungen wie von Freundeskreis oder den Massiven Tönen, Ende der Neunziger, fühlte sich 7inch, wie wohl damals vieler seiner Kollegen, inspiriert selbst zum Stift zu greifen. Am Ende füllten unzählige Reimbücher seine Schubladen. Als Teil der Deutsch-Finnischen Crew „Querdenker“ nahm er zu jener Zeit mit einem 4-Spurgerät und Shure-Mikrofon unerbittlich ein Mixtape nach dem anderen auf. „Das war eine grandiose Zeit. Wir lebten nur für die Musik. Trainierten vier bis fünfmal die Woche als wollten wir in den Krieg ziehen.“

Produzent 7inch

2004 hielten dann die ersten größeren Erfolge Einzug. Ein Höhepunkt war wohl ein live Auftritt auf dem splash! Festival als Backup MC von Spax und 2005 auf dem HipHop Open. Zu dieser Zeit produzierte er aber auch schon seit 4 Jahren eigene Beats: “Mich haben die Beats von anderen Produzenten einfach nicht mehr umgehauen. Ich hatte meine eigenen Visionen. Als ich dann gemerkt habe, wie einfach es ist, einen Beat zusammenzuschrauben, habe ich angefangen meine Musik zu produzieren.” Es folgte ein Label Deal bei La Cosa Mia. Etwas später auch der Release des Konzeptalbums “The Lovemovement” sowie unzählige Produktionen. Die Liste des Erfolgs, vor allem im deutschsprachigem Raum, ist lang: Von Sabrina Setlur, Pal One, Lady Bitch Ray, Seryoga, Joe Rilla, Curse, Kool Savas, Franky Kubrick, Casper, Basstard, B-Tight, Tony-D, Prinz Pi bis über Papoose, The Game, Tyga und Lil Wayne.

Heute ist 7inch unter anderem Mitglied des Produzententeams um Shuko Hustle Heart. Mit dem Song Hollywood, des Schweizer Rappers Bligg, holte er dreifach Platin in der Schweiz. Aktuell schraubt 7inch an seinem ersten Mixtape sowie einem Produzentenalbum. Für ihn sind deutsche Produzenten oft viel zu unauffällig. “In Amerika dropt jeder halbwegs gute Produzent pausenlos Beats oder alle paar Monate ein Mixtape. Das ist krass! Die Vermarktungsmaschine haben sie dort voll im Griff.” Für die Zukunft hat er sich viel vorgenommen: “Deutsche Produzenten müssen mehr Alarm machen. Was bringt ein Rechner vollgepackt mit den tollsten Beats? Wir als Produzenten müssen nicht nur Künstlern sondern auch HipHop-Hörern unsere Musik nahe bringen und schmackhaft machen. Dann haben vielleicht auch deutsche Produzenten im urbanen Bereich mal wieder eine Chance groß zu werden.”






Musikjournalisten haben schwer zu tragen…

2 03 2009

Wer glaubt, Journalisten seien objektiv und ohne Werte – der irrt.

Wenn ich mich auf ein Interview vorbereite, dann findet neben der Recherche von Fakten, längst gesagten Worten und dem betrachten von tollen Bildern noch eine ganz andere entscheidende Sache statt: nämlich die, der Meinungsbildung. Jetzt denken einige von euch sicher, das sei fehl am Platz. Für mich aber gehören diese Emotionen, Wortbausteine – welche durch meinen Kopf flattern – absolut dazu. Ja, ich liebes es, wenn sich unendlich viele Worte, Satzbausteine und Fragen in meinem Kopf herumtummeln und am Ende im Gespräch mit einem Künstler zu einem Ganzem werden.  Ja, sie wecken meine Leidenschaft, mein Wissbegieren und den Willen, mehr über die Person herauszufinden als es andere zuvor getan haben.

Im Laufe meiner Serie (Gesichter deutscher Rap-Kultur) habe ich gelernt, dass es drei Arten von Interviewsituationen und in diesem Sinne “Aufeinandertreffen mit Künstlern” gibt.

Erstens: Du triffst einen Künstler, den du eigentlich nicht ausstehen kannst. Hast ein paar spitze Fragen im Gepäck und Lust ein bisschen “zu spielen”. Schon bei der Begrüßung empfängt er dich aber, freundlicher als jeder Rezeptionist eines 5-Sterne Hotels. Dir entspringt ein warmes Lächeln. Nach 10 Minuten Gespräch, bist du komplett gefesselt von der Magie dieser Person, wunderst dich über deine miese Einstellung und gibst dem Leben Recht – denn es hat doch noch Überrauschungen zu bieten.

Die andere Art von „Journalist trifft auf Künstler“, ist Folgende: Du begegnest einem Künstler, den du schon immer toll fandest – den eigentlich alle toll finden. Du hast deine freshen Fragen im Gepäck, freust dich auf einen entspannten Talk. Es kann eigentlich nur gut werden – life isn`t a bitch. Nach 2-stündiger Verspätung, fragst du nochmals höfflich beim PR-Manager nach, ob vielleicht jetzt ein halbes Stündchen Zeit für ein kleines Interview wäre. Es würde auch ganz schnell gehen. Gut, dann ist es soweit. Schlecht gelaunt, ohne großes Interesse, werden hart erarbeiteten Fragen (man wollte ja schließlich Eindruck hinterlassen) mit leeren Antworten abgespeist. Eine Verabschiedung ohne Händedruck.

Drittes Szenario ist schnell erklärt.
Du erwartest viel, du bekommst viel.
Liebst das Leben und das Leben liebt dich.
VERSUS
Du erwartest nichts, du bekommst nichts.
Hast aber eine blühende Phantasie.

Die große Kunst eines jeden Interviews ist es aber, sich die eigentliche Subjektivität nicht anmerken zu lassen, neutral zu berichten und Gefühle auch mal beiseite zu schieben. Am Ende sollte der Leser das bekommen, was er verdient: Ein faires Interview – indem er ein bisschen was über eine Person, über das Leben oder sogar über sich selbst lernt.

Ein etwas längeres, sehr interessantes Interview von mir mit dem verrückt-lieben Kaas, könnt ihr auf wildstylemag.com nachlesen. Hier ein kleiner Auszug:

Kaas – Hass ist Liebe in Spiegelschrift!

Hass ist das Gegenteil von Liebe. Wer hasst, der verabscheut nicht nur Menschen, wer hasst, der möchte verletzten und rächen. Doch welchem Ursprung entspringt Hass?

Abscheu, Neid, gekränktem Ehrgeiz oder verschmähter Liebe? Oft ist starke Antipathie das Ergebnis einer tiefen Verletzung, eine Reaktion auf eine Situation, der man kraftlos gegenüberstand. Wenn man mit Kaas über sein Leben spricht, dann spürt man, dass er genau weiß, wie sich diese Form der Emotion anfühlt. Eine lange Zeit lief er mit großer Verachtung anderen Menschen gegenüber durchs Leben. Zu gut kennt er das Gefühl “nicht gemocht zu werden” und “nicht zu mögen”. Doch er hat gelernt: Auf seinem Weg durchs Leben hat er erkannt, dass reaktiver Hass nicht zum Ziel führt – stattdessen hat er gekämpft. Gekämpft für seine Vorstellung vom Leben und von der Liebe. Auf seiner eigenen spirituellen Reise erkannte er sein “wahres Ich” und schuf die Tugend aus Hass Liebe zu produzieren. Liebe für die Menschheit. Liebe für eine bessere Welt.

Ein ungewöhnlicher Einblick in das Gedankengut eines Rap-Künstlers – der sich dann doch wieder nicht unbedingt als Rapper versteht. Treffpunkt: Eine Pizzeria in Berlin-Friedrichshain. DAS GANZE INTERVIEW…

Manchmal tut Ehrlichkeit gut…








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