Musikjournalisten haben schwer zu tragen…

2 03 2009

Wer glaubt, Journalisten seien objektiv und ohne Werte – der irrt.

Wenn ich mich auf ein Interview vorbereite, dann findet neben der Recherche von Fakten, längst gesagten Worten und dem betrachten von tollen Bildern noch eine ganz andere entscheidende Sache statt: nämlich die, der Meinungsbildung. Jetzt denken einige von euch sicher, das sei fehl am Platz. Für mich aber gehören diese Emotionen, Wortbausteine – welche durch meinen Kopf flattern – absolut dazu. Ja, ich liebes es, wenn sich unendlich viele Worte, Satzbausteine und Fragen in meinem Kopf herumtummeln und am Ende im Gespräch mit einem Künstler zu einem Ganzem werden.  Ja, sie wecken meine Leidenschaft, mein Wissbegieren und den Willen, mehr über die Person herauszufinden als es andere zuvor getan haben.

Im Laufe meiner Serie (Gesichter deutscher Rap-Kultur) habe ich gelernt, dass es drei Arten von Interviewsituationen und in diesem Sinne “Aufeinandertreffen mit Künstlern” gibt.

Erstens: Du triffst einen Künstler, den du eigentlich nicht ausstehen kannst. Hast ein paar spitze Fragen im Gepäck und Lust ein bisschen “zu spielen”. Schon bei der Begrüßung empfängt er dich aber, freundlicher als jeder Rezeptionist eines 5-Sterne Hotels. Dir entspringt ein warmes Lächeln. Nach 10 Minuten Gespräch, bist du komplett gefesselt von der Magie dieser Person, wunderst dich über deine miese Einstellung und gibst dem Leben Recht – denn es hat doch noch Überrauschungen zu bieten.

Die andere Art von „Journalist trifft auf Künstler“, ist Folgende: Du begegnest einem Künstler, den du schon immer toll fandest – den eigentlich alle toll finden. Du hast deine freshen Fragen im Gepäck, freust dich auf einen entspannten Talk. Es kann eigentlich nur gut werden – life isn`t a bitch. Nach 2-stündiger Verspätung, fragst du nochmals höfflich beim PR-Manager nach, ob vielleicht jetzt ein halbes Stündchen Zeit für ein kleines Interview wäre. Es würde auch ganz schnell gehen. Gut, dann ist es soweit. Schlecht gelaunt, ohne großes Interesse, werden hart erarbeiteten Fragen (man wollte ja schließlich Eindruck hinterlassen) mit leeren Antworten abgespeist. Eine Verabschiedung ohne Händedruck.

Drittes Szenario ist schnell erklärt.
Du erwartest viel, du bekommst viel.
Liebst das Leben und das Leben liebt dich.
VERSUS
Du erwartest nichts, du bekommst nichts.
Hast aber eine blühende Phantasie.

Die große Kunst eines jeden Interviews ist es aber, sich die eigentliche Subjektivität nicht anmerken zu lassen, neutral zu berichten und Gefühle auch mal beiseite zu schieben. Am Ende sollte der Leser das bekommen, was er verdient: Ein faires Interview – indem er ein bisschen was über eine Person, über das Leben oder sogar über sich selbst lernt.

Ein etwas längeres, sehr interessantes Interview von mir mit dem verrückt-lieben Kaas, könnt ihr auf wildstylemag.com nachlesen. Hier ein kleiner Auszug:

Kaas – Hass ist Liebe in Spiegelschrift!

Hass ist das Gegenteil von Liebe. Wer hasst, der verabscheut nicht nur Menschen, wer hasst, der möchte verletzten und rächen. Doch welchem Ursprung entspringt Hass?

Abscheu, Neid, gekränktem Ehrgeiz oder verschmähter Liebe? Oft ist starke Antipathie das Ergebnis einer tiefen Verletzung, eine Reaktion auf eine Situation, der man kraftlos gegenüberstand. Wenn man mit Kaas über sein Leben spricht, dann spürt man, dass er genau weiß, wie sich diese Form der Emotion anfühlt. Eine lange Zeit lief er mit großer Verachtung anderen Menschen gegenüber durchs Leben. Zu gut kennt er das Gefühl “nicht gemocht zu werden” und “nicht zu mögen”. Doch er hat gelernt: Auf seinem Weg durchs Leben hat er erkannt, dass reaktiver Hass nicht zum Ziel führt – stattdessen hat er gekämpft. Gekämpft für seine Vorstellung vom Leben und von der Liebe. Auf seiner eigenen spirituellen Reise erkannte er sein “wahres Ich” und schuf die Tugend aus Hass Liebe zu produzieren. Liebe für die Menschheit. Liebe für eine bessere Welt.

Ein ungewöhnlicher Einblick in das Gedankengut eines Rap-Künstlers – der sich dann doch wieder nicht unbedingt als Rapper versteht. Treffpunkt: Eine Pizzeria in Berlin-Friedrichshain. DAS GANZE INTERVIEW…

Manchmal tut Ehrlichkeit gut…





22 Uhr Live: HipHop Talk auf Radio Fritz

14 12 2008

HEUTE LIVE: DER RADIO FRITZ “HIPHOP-TALK” BLUE MOON

Weil ich HipHop liebe, weil mir HipHop am Herzen liegt und weil mir diese Musik seit Jahren ein zu Hause gibt, unterstütze ich immer wieder gern Freunde, die auch ein Stück ihres Lebens in meine Liebe investieren. Heute Abend um 22Uhr haben sich Menschen Zeit genommen, um sich ausführlich mit meinem Liebelingsthema auseinander zu setzten. In der Radio Fritz Show “Blue Moon laden Pyranja und WildstyleMag-Chef Pasu zum ausführlichen Talk mit den Hörern. Heißt man kann anrufen und mitdiskutieren!

Das Format feiert heute live im Radio Premiere und wird vom Moderations-Urgestein Stephan Michme moderiert. Thema der ersten Sendung ist:  Wie würdest Du über HipHop denken, wenn Du nicht drinstecken würdest?

Oft wird sich beschwert, dass HipHop in den Medien nicht präsent genug ist und niemand ein offenes Ohr für die Straße hat. Heute abend wollen euch 3 tolle Menschen das Gegenteil beweisen. Also einschalten und mitquasseln! Ich gebs mir auf jeden Fall. Wir hören uns..

Der Radio Fritz “HIPHOP TALK” Blue Moon

Sonntag, 14.12.2008, 22 bis 24 Uhr

Frequenzen und Livestream auf www.fritz.de








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